Valencia, 30. März 2025 — Beworben hatte sich Leonie bereits im November 2024. „Es war viel Papierkram“, erinnert sie sich, „aber dank der Berufsschule war vieles schon vorausgefüllt“. Lebenslauf, Motivationsschreiben und Bescheinigungen gehörten zum Antrag. Das Motivationsschreiben war entscheidend: Darin sollte der gewünschte Praktikumsbereich genannt werden – Voraussetzung für die Zuweisung durch die spanische Partnerorganisation. Leonie entschied sich für den Bildungsbereich. Ihr Einsatzort: die katholische Don-Bosco-Schule in Valencia, eine Grundschule. Dort übernahm sie administrative Aufgaben und unterstützte bei der Kinderbetreuung.
Sprachliche Herausforderungen
In der ersten Woche nach der Ankunft hieß es zunächst: Sprache lernen. Vormittags besuchte sie eine lokale Sprachschule, in der der Unterricht ausschließlich auf Spanisch und Englisch stattfand. „Ich konnte vorher kein Spanisch“, sagt sie rückblickend. Um sich vorzubereiten hatte sie bereits daheim mit einer Sprachlern-App gearbeitet. Die Grundlagen haben zwar geholfen, doch der Alltag hat deutlich mehr gefordert. „Irgendwann bin ich auf Englisch umgestiegen, da die Kommunikation sonst unmöglich war“. In der Schule sprachen viele Kolleginnen und Kollegen kaum Englisch, was zu Beginn eine Herausforderung darstellte.
Das Praktikum
Ab Woche zwei rückte das Praktikum in den Mittelpunkt. Leonie arbeitete täglich fünf bis sechs Stunden – organisatorisch in der Verwaltung und betreuend in der Mittagspause. Dabei ist ihr aufgefallen, dass die Atmosphäre in der Schule deutlich entspannter war, als in vergleichbaren Einrichtungen in Deutschland. „Mehr Gelassenheit und weniger Leistungsdruck“, beschreibt sie den Unterschied.
Persönliche Entwicklung
Leonie lernte, sich in neuen Situationen zurechtzufinden, entwickelte mehr Eigeninitiative und trat selbstbewusster auf. Die Erfahrung, sich in einem fremden beruflichen Umfeld behaupten zu müssen, half ihr, die eigenen Stärken klarer zu erkennen. Ein Plus für ihre Karriere. Neben dem Praktikum blieb Zeit, Valencia zu entdecken. Valencia präsentierte sich dabei als kulturell vielfältige und lebendige Metropole. Gemeinsam mit anderen Teilnehmenden besuchte sie Sehenswürdigkeiten wie die Ciudad de las Artes y las Ciencias, unternahm Fahrradtouren und probierte die spanische Küche. „Ich habe zum ersten Mal Paella gegessen, aber auch Croquetas mit Thunfisch“, erzählt sie. Selbstgekocht wurde ebenfalls, meist aus praktischen Gründen, da das Schulessen vor Ort wenig überzeugte. Ein Besuch im Stadion beim Spiel Valencia gegen Sevilla war ein Highlight. Trotz Regen und später Anstoßzeit war das Stadion fast ausverkauft: „Ich bin eigentlich kein Fußballfan, aber das war ein echtes Erlebnis“, sagt Leonie. Weniger positiv in Erinnerung blieb ein Clubbesuch – die Atmosphäre habe nicht gepasst. Auch kleinere Zwischenfälle wie nächtliches Klingeln an der Unterkunft und die verkehrstechnisch eher schwieriger Rückkehr nach 23 Uhr zeigten, dass das Leben in einer fremden Stadt seine Eigenheiten hat.
Fazit
Nach vier Wochen in Valencia fällt Leonies Fazit insgesamt positiv aus. Die Zeit sei intensiv gewesen, aber überraschend schnell vergangen. „Es hat sich angefühlt wie zehn Tage“. Trotzdem habe sie langsam begonnen, ihre Familie und Freunde zu vermissen. Der Wiedereinstieg in den deutschen Alltag fiel ihr anfangs dennoch nicht leicht – insbesondere nach den wärmeren Temperaturen in Spanien. Beruflich hat der Aufenthalt ihr vor allem gezeigt, dass die Betreuung und Arbeit im pädagogischen Bereich auf Dauer nicht ihr Ziel sind. Dennoch sei die Erfahrung wertvoll gewesen, gerade weil sie dadurch einen klareren Blick auf die eigenen beruflichen Interessen gewonnen habe. Auch im Bereich Kommunikation habe sie viel gelernt: den Mut, auf Menschen zuzugehen, sich trotz sprachlicher Unsicherheiten zu verständigen und in unbekannten Situationen handlungsfähig zu bleiben. Empfehlen würde Leonie das Erasmus+ Programm jederzeit, unter der Voraussetzung, sich gut vorzubereiten und realistische Erwartungen mitzubringen. Besonders profitiert habe sie sprachlich, vor allem im Englischen. Ihr wichtigster Tipp an künftige Teilnehmende: „Nicht zu viel Gepäck mitnehmen, Freiraum lassen für spontane Erlebnisse und sich nicht stressen – genau dann entstehen die wertvollsten Erfahrungen.“