An welchen Moment aus deiner Ausbildungszeit erinnerst du dich besonders gern?
Leonie: Natürlich war es ein schönes Gefühl, die Ausbildung geschafft zu haben. Da ist einfach erst mal der ganze Prüfungsstress abgefallen. Besonders gerne denke ich aber auch an Erasmus in Valencia zurück. Dort hatten wir zuerst einen Sprachkurs und anschließend ein Praktikum im kaufmännischen Bereich. Das war eine richtig schöne Zeit und hat mich persönlich weitergebracht. Gerade wenn man in einem fremden Land ist und auf Englisch sprechen muss, merkt man, dass es gar nicht schlimm ist, wenn man die Sprache nicht perfekt kann.
Gab es eine Situation, an der du fachlich oder persönlich besonders gewachsen bist?
Leonie: Ich glaube, solche Situationen gab es eigentlich immer wieder. Es waren immer neue Aufgaben dabei, bei denen man sich erst einmal überwinden musste. Ein gutes Beispiel ist das Telefonieren. Am Anfang wusste ich oft noch gar nicht, wer für welches Thema zuständig ist. Wenn jemand angerufen hat, musste ich häufig nachfragen und war jedes Mal froh, wenn das Gespräch vorbei war. Irgendwann wird das aber ganz normal. Genau an solchen Situationen wächst man dann.
Wer hat dich während deiner Ausbildung besonders geprägt?
Leonie: Eigentlich haben mich viele Kolleginnen und Kollegen geprägt. In jeder Abteilung konnte ich etwas Neues lernen. Besonders in der Finanzbuchhaltung und im Personalwesen gab es viele Menschen, die mich unterstützt und ihr Wissen weitergegeben haben. Ich glaube, ich habe aus jeder Station etwas mitgenommen.
Gab es einen Rat, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Leonie: Einen bestimmten Rat aus meiner Ausbildung eigentlich nicht. Aber meine Mama hat mir einmal einen Spruch erzählt, den ihre Ausbilderin immer gesagt hat: „Lass es zwei Tage liegen, vielleicht hat es sich dann von selbst erledigt.“ Ich finde, da ist manchmal schon etwas Wahres dran.
Nach deiner Ausbildung ging dein Weg ins Personalwesen. Was war für dich der größte Unterschied zwischen Ausbildung und Berufseinstieg?
Leonie: Einen riesigen Unterschied gab es für mich eigentlich gar nicht. Ich war gegen Ende meiner Ausbildung sowieso schon im Personal und konnte dort direkt weitermachen. Schön ist natürlich, dass ich mich jetzt auf einen Bereich konzentrieren kann und nicht mehr ständig zwischen den Abteilungen wechsle. Und ich bin ehrlich gesagt auch froh, dass ich kein Berichtsheft mehr schreiben muss.
Mittlerweile hast du sogar deinen Ausbilderschein erfolgreich bestanden. Herzlichen Glückwunsch dazu! Hättest du zu Beginn deiner Ausbildung gedacht, dass du einmal selbst Ausbilderin wirst?
Leonie: Nein, überhaupt nicht. Damit hätte ich am Anfang wirklich nicht gerechnet. Ich habe auch eine Zeit lang überlegt, ob das der richtige Weg für mich ist. Am Ende habe ich mich aber bewusst dafür entschieden und bin heute sehr froh darüber. Ich finde, wenn sich im Leben so eine Chance ergibt, dann sollte man sie auch nutzen.
Was hat dich motiviert, den Ausbilderschein zu machen?
Leonie: Ich fand es einfach eine gute Möglichkeit, noch einmal einen neuen Aufgabenbereich kennenzulernen. Ich glaube, dass man dabei auch selbst viel lernen kann. Das hat mich motiviert.
Was war während der Vorbereitung die größte Herausforderung?
Leonie: Der Kurs lief sieben Wochen lang jeden Dienstagabend online und dazu kamen jede Woche Einsendeaufgaben. Das hat schon Zeit gekostet, weil man sich am Wochenende noch einmal hinsetzen und etwas dafür machen musste. Man merkt schon, wenn neben der Arbeit noch so etwas dazukommt.
Hat sich dein Blick auf Ausbildung durch den Ausbilderschein verändert?
Leonie: Ja, auf jeden Fall. Mir war vorher gar nicht bewusst, wie viele Themen hinter einer Ausbildung stecken und worauf man als Ausbilder alles achten muss. Als Azubi bekommt man davon vieles gar nicht mit. Deshalb fand ich es spannend, das einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen.
Ab September begleitest du dann selbst Auszubildende. Damit schließt sich gewissermaßen der Kreis. Wie fühlt sich dieser Rollenwechsel an?
Leonie: Im Moment fühlt sich das ehrlich gesagt noch etwas ungewohnt an. Aber ich glaube, das ist ganz normal. Mit der Zeit wird man sich daran gewöhnen und dann wird sich das bestimmt ganz selbstverständlich anfühlen.
Worauf freust du dich bei der zukünftigen Arbeit mit Auszubildenden am meisten? Gibt es etwas, das du als Ausbilderin bewusst anders machen möchtest?
Leonie: Ich freue mich vor allem darauf, jemandem neue Dinge beizubringen und mitzuerleben, wie er sich entwickelt und immer sicherer wird. Was ich auf jeden Fall einführen möchte, sind regelmäßige Feedbackgespräche. Deshalb habe ich schon einen Feedbackbogen vorbereitet. Dabei schätzt sich der Azubi selbst ein, ich gebe meine Einschätzung dazu und der Azubi kann mir genauso Feedback geben. Außerdem möchte ich den Austausch mit der Berufsschule regelmäßiger pflegen.
Welche Erfahrungen aus deiner eigenen Ausbildung möchtest du später an Azubis weitergeben? Welche Werte möchtest du deinen Azubis vermitteln?
Leonie: Ich möchte auf jeden Fall weitergeben, dass man sich einfach etwas zutrauen sollte. Das habe ich vor allem durch Erasmus gelernt. Seitdem gehe ich zum Beispiel viel entspannter an englische Telefonate heran. Man muss keine Angst davor haben, Fehler zu machen. Außerdem ist mir wichtig, dass man im Team gut miteinander umgeht. Dass man sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam an Lösungen arbeitet, statt gegeneinander. Ich glaube, das bringt einem nicht nur im Beruf etwas, sondern generell im Leben.
Wie möchtest du neue Auszubildende motivieren, wenn sie einmal an sich zweifeln?
Leonie: Ich glaube, solche Momente gehören einfach dazu. Jeder zweifelt irgendwann einmal an sich. Dann nimmt man sich eben noch einmal Zeit, erklärt etwas in Ruhe oder übt es gemeinsam noch einmal. Wenn es am Ende klappt, ist das ein richtig schönes Erfolgserlebnis. Und genau das motiviert einen dann auch wieder.
Und zum Schluss: Wenn deine Azubis dich in drei Jahren beschreiben müssten – was würdest du gerne hören?
Leonie: Ich würde mir wünschen, dass sie sagen, sie hatten eine gute Ausbildung, haben viel gelernt und sich bei mir gut aufgehoben gefühlt. Natürlich wird man es nie jedem recht machen können. Aber wenn sie am Ende sagen, dass sie fachlich und persönlich viel für ihren weiteren Weg mitgenommen haben, dann wäre das für mich das schönste Feedback.